Phnom Penh und die Roten Khmer

 

Nachdem ich mich von Severine auf den 4000 Island verabschiedet habe... ging es für mich weiter über die Grenze nach Kambodscha. Dort bin ich dann in der Hauptstadt Phnom Penh nach einer sehr sehr langen und kalten (verdammte Klimaanlage!) Busfahrt angekommen. Nur noch schnell etwas Streetfood reingefahren und ab ins Bettchen!

 

Ich habe die ersten Tage nicht viel von Phnom Penh mitbekommen, sondern habe wieder fleißig am Blog gearbeitet. Also immer aufstehen, schreiben, Mittagessen, schreiben, Abendessen und schlafen gehen. Dazwischen natürlich immer schönen Kaffee ;)

 

Das Streetfood in Laos und Kambodscha ist übrigens bei Weitem nicht so gut wie in Thailand!! In Laos sind sie geschmacklich einfach nicht rangekommen und in Kambodscha waren immer und überall Knochen drin...

 

 

Nachdem das erledigt war, bin ich in das Nationalmuseum von Kambodscha gegangen. Es war in einem von außen sehr schönen Gebäude untergebracht und auch der Innenhof war wunderschön; nur die eigentlichen Ausstellungsräume sahen wie vor 20 Jahren aus ohne das mal jemand die Spinnweben in der Ecke weggemacht hätte :D

 

Die ausgestellten Gegenstände waren größtenteils aus dem Nationalpark Angkor Wat und waren in einem überragenden Zustand. Ich habe die Bilder mal nach Außenbereich, Museum, Schrifttafeln und Innenhof sortiert.

 

 

Das Museum...

 

 

Die Schrifttafeln: So wie ich es interpretiere, wurden sie wohl auch zum Vervielfältigen von Schriften und Gesetzen verwendet...

 

 

Und zu guter letzt der wunderschöne Innenhof ;)

 

 

Gut. Als nächstes kommen wir zu etwas härterem Tobak: Die Gewaltherrschaft der Roten Khmer mit meinem Besuch der Killing Fields und des Foltergefängnisses S-21. Die Bilder sind nichts für sehr schwache Gemüter; obwohl sie ihre ganze bedrückende und verstörende Wirkung erst mit dem Audioguide entfalten.

 

Ich habe mir also mit einem amerikanischen Pärchen direkt beim Hostel ein TukTuk bestellt (20$ durch 3 Personen geteilt). Damit sind wir dann zuerst zu den Killing Fields, etwas außerhalb der Stadt, gefahren. Dort haben wir den Eintritt bezahlt und den Audioguide mitgenommen. Ohne den Audioguide könnte man es auch gleich sein lassen! Es gibt zwar Hinweistafeln und kurze Erklärungen, aber es ist die Kombination die es zu einem so intensiven und eindrücklichen Erlebnis macht.

 

Um die nachfolgenden Bilder richtig einzuordnen, werde ich hier noch schnell 3 wichtige Fragen zum Verständnis beantworten

 

Wer waren die Roten Khmer

Die Roten Khmer waren eine maoistisch-nationalistische Guerillabewegung, die 1975 unter Führung von Pol Pot in Kambodscha an die Macht kam und bis 1979 das Land totalitär als Staatspartei regierte. 

 

Wer war der Anführer der Roten Khmer, Pol Pot:

Er wurde vermutlich 1925 oder 1928 in einer kambodschanischen Provinz geboren und war ein kommunistischer Politiker und Diktator Kambodschas (1975 - 1979) sowie bis 1997 als „Bruder Nr. 1“ der politische und militärische Führer der Roten Khmer. Er wurde als Saloth Sar geboren und kam während eines Auslandsstudiums in Paris mit dem Kommunismus in Berührung. Zurück in der Heimat trat er der konspirativ agierenden Kommunistischen Partei Indochinas (KPI) bei und arbeitete als Lehrer. 1962 wurde er erster Sekretär der späteren Kommunistischen Partei Kampucheas (KPK) und floh im Jahr darauf vor politischer Verfolgung durch Lon Nol in das Grenzgebiet zu Vietnam. In den folgenden sieben Jahren lebte Pol Pot im Untergrund und wurde durch eine Reise nach China stark durch den Maoismus geprägt. Während des Kambodschanischen Bürgerkriegs entstanden aus den von Pol Pot geführten kommunistischen Milizen die Roten Khmer, die durch die Unzufriedenheit insbesondere der ländlichen Bevölkerung über das massive amerikanische Flächenbombardement der geheimen Operation MENU immer mehr Rekruten gewinnen konnten.

 

Was geschah im April 1975 in Phnom Penh:

Im April 1975 nahmen die Roten Khmer Phnom Penh ein und deportierten die Stadtbevölkerung als vermeintliche Feinde der Revolution auf das Land, wo sie als neue Menschen (Beamte, Lehrer, Intellektuelle, buddhistische Mönche oder einfach nur Menschen in der Stadt mit weichen Händen; die also keiner Feldarbeit nachgingen...) Zwangsarbeit im Arbeiter-und-Bauern-Staat verrichten mussten. Die Kommunisten riefen im Januar 1976 das Demokratische Kampuchea aus und wählten Pol Pot zum Premierminister. Der radikale Kollektivismus und die politische Säuberung unter seiner Herrschaft führten zur Einrichtung von Foltergefängnissen wie Tuol Sleng (S-21) und zu den Killing Fields. Ständige Scharmützel mit Vietnam mündeten schließlich in einen offenen Krieg, der in der vietnamesischen Besatzung Kambodschas endete und Pol Pot ins Exil nach Thailand zwang. Seine als Steinzeitkommunismus bezeichnete Herrschaft verursachte den Genozid in Kambodscha, bei dem je nach Schätzung bei einer Gesamtbevölkerung von ungefähr 8 Millionen zwischen 750.000 und mehr als 2 Millionen durch Hinrichtung, Zwangsarbeit, Hunger und mangelhafte medizinische Versorgung ums Leben gekommen waren.

 

 

Aber auch an einem solch schrecklichen Ort gibt es schöne Natur und Tiere...

 

 

Nun gehen wir in die Gedächtnis-Stupa mit sehr vielen Schädeln im Inneren. Sie sind aufgebahrt/gestapelt und nach Todesursache, Alter, Geschlecht und weiteren Faktoren sortiert...

 

 

Anschließend waren wir natürlich schon etwas mitgenommen... nichtsdestotrotz ging es wieder zurück in die Stadt in das S-21 Foltermuseum. Dieses war vor der Zweckentfremdung durch die Roten Khmer ein Schule gewesen. 

 

Die nachfolgenden Bilder zeigen die Opfer der Roten Khmer, einen Galgen im Innenhof, ein typisches Folterzimmer für 1 Person um deren Geständnis zu erzwingen, weitere kleine Folterräume, Drahtgitter auf einem Gang (nachdem ein Häftling Selbstmord begangen hatte und gesprungen ist) und Bilder von Foltermethoden die ein inhaftierter Künstler nach seiner Freilassung gemalt hat.

 

 

Interessante Hintergrundinformationen die man durch den Audioguide erfahren hat:

 

Ungefähr 75% der ehemaligen Führungsriege der Roten Khmer saßen bereits 1-1,5 Jahre (nach dem Start im April 1975) ebenfalls in ihren Foltergefängnissen ein, aufgrund von interner Paranoia der Organisation... 

 

Die wenigen Ausländer die sich zu der Zeit in Kambodscha aufgehalten haben, wurden ebenfalls in S-21 inhaftiert, gefoltert und dazu gebracht ihre "Hintermänner" z.B. Namen von Agenten der USA zu verraten. Zu trauriger Berühmtheit hat es ein gefangener US-Bürger gebracht, der Pop-Kulturelle-Künstler als Referenzen nannte wie z.B. Michael Jackson... er ist damit nicht aufgeflogen, weil die Namen für seinen Folterer plausibel klangen

 

Die Roten Khmer folterten, töteten aktiv oder passive (durch schwere Feldarbeit ohne ausreichend Erholung, Wasser und Verpflegung), sodass Ihnen recht bald Fachleute zur Reparatur von technologischen Geräten wie Funk- oder Lichtanlagen fehlten und sie sich diese von Staaten wie China leihen mussten...

 

Nach diesem Tag hab ich mir am Nachfolgenden erstmal leichtere Kost gesucht und hab für meine Oma, die ja fleißig mitliest und kommentiert, noch ein kleines Elefantengeschenk gekauft ;)

 

 

Das Geschenk wird natürlich noch nicht gezeigt :D

 

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Kommentare: 2
  • #1

    die Leipziger (Dienstag, 27 Februar 2018 09:27)

    Sehr gute Dokumentation!

    Weiterhin viele neue Eintrüge wünschen:

    Vati und Mutti

  • #2

    Micha (Donnerstag, 01 März 2018 22:49)

    Wow, wir haben in der Schule sehr wenig über Pol Pot gelernt und über die Konflikte Kambodscha und Vietnam. Die Bilder der Totenköpfe auf großen Haufen habe ich jedoch für mich gespeichert.
    Danke Axel, das deine Reise nicht nur schöne sondern auch nachdenkenswerte Sachen zeigt!

    Liane und Micha